zum NO!art-Menü  NO!art NEWS + KÜNSTLER + ÜBER UNS + BLAF MANIPULATION + MAIL Link zur Galerie  GALERIE MIT ALLEN KÜNSTLERN
Miron Zownir | NO!art involvement DE | EN
Presse Suche und finde im NO!art-Archiv
M E M O
AUSSTELLUNGEN
BIOGRAFIE
FILMOGRAFIE
FILMWERKE
FOTOS
INTERVIEW
PRESSE
PUBLIKATIONEN
TEXTE

N O ! a r t  ist
die strategische
Kreuzung,
auf der sich
künstlerische
Produktion und
gesellschaftlich
kulturelle Aktionen
begegnen.

LURIES TESTAMENT
mail
 

AUSSTELLUNG IM EROTIC ART MUSEUM, Bilder aus dem Leben – schrecklich ungeschminkt | in: BILD, Hamburg, 5. Oktober 1994 | Es blitzt direkt in das ungeschminkte Leben. Nahkampfaufnahmen. Miron Zownir (40), Fotograf, Filmemacher. In Karlsruhe geboren, lebt jetzt in Pittsburgh. Seine Bilder: „Wie ein Presslufthammer, der sich durch die Schädeldecke bohrt." Ein Marinesoldat mit heruntergelassenen Hosen. Ein Paar beim Liebesakt im Kneipenklo. Heruntergekommene Penner. Bis zum 20. November zeigt er seine Bilder im Erotic Art Museum (Bernhard-Nocht-Straße).
Er sagt: „Ich habe mich noch nie an Regeln der Fotografie gehalten. Ich gehe immer einen Schritt weiter als die anderen. Deshalb sind meine Bilder auch so lebendig."
Der Fotograf: Cowboystiefel mit Sporen, Baseballmütze, Sonnenbrille („Gestern zuviel gesoffen"). Ein Kämpfer mit der Kamera. Er wettert gegen Rassismus. Laut, wild gestikulierend. Drehte einen Kurzfilm gegen Ausländerfeindlichkeit. Ein Wettbewerb - die SPD hat ihn bezahlt.dg

DIE HÖLLENKÜCHE VON DER 42. „Unter der Gürtellinie": die Kreuzberger endart-galerie zeigt Fotos von Miron Zownir | in: Der Tagesspiegel, Berlin, Oktober 1995 | Ein Ort für Zartbesaitete war die Kreuzberger endart-Galerie noch nie. Lebte die dort beheimatete Sex-and-Crime-and-Drugs-and-Rock'n'Roll-Kiezkunst oft vom befreienden Humor, hat der feinsinnige Fotofreund angesichts der aktuellen Bilder nicht viel zu lachen. Gegen Miron Zownir war der Kripo-Knipser Weegee ein Waisenknabe, ganz zu schweigen von Nan Goldins off-romantischer Gartenlaube. „Unterhalb der Gürtellinie", im Liebes- und Leidbild einer geschlossenen Sub-Gesellschaft, hat Farbe keinen Raum. Im New York der schwulen „Sexpiers", des Transvestitenstrichs, der „Hell's Kitchen" genannten 42. Straße der Klappen, Hinterhöfe, Schmuddelbuden, Billigpuffs sind die Scherze lederschwarz. Weißgraues, zur Schau gestelltes Fleisch schimmert wie die Leiche des Junkies im Washington Square Park. Freaks, Penner, zwischengeschlechtliche Sex-Maniacs und Psychokrüppel jeglicher Couleur tragen ihr Innenleben auf dem Gesicht, auf zerschundener Haut. Ihre bizarren Aktivitäten sprechen schickem Sado/Maso-Zeitvertreib Hohn.
Bisweilen bricht die hermetische Welt derer auf, die sich in ihren Beschädigungen eingerichtet haben. Da gelingt es etwa der Pornolady nebst heroinsüchtigen Aristokraten, eine seriöse Party als Orgie enden zu lassen, da demonstriert der wohlhabende Industrielle sein Spektrum kompensatorischer Sexpraktiken. Jedes Foto hat seine Geschichte, an der Wand aber müssen die Bilder pur, kommentarlos, überzeugen. Wer ihre spektakuläre Oberfläche durchschaut, erkennt, dass hier kein sensationsgeiler Voyeur am Werke war. Zownir, Wahl-Ami vom Oberrhein mit ukrainischen Wurzeln, hat einfach Menschen fotografiert. Und ebenso wie letztes Jahr, bei seinem preisgekrönten Werbespot gegen Ausländerfeindlichkeit, dokumentierte er 1980 bis 1989 die Dekadenz vor der Aids-Explosion: ohne etwas wegzulassen oder hinzuzufügen.

JENSEITS DER NORMALITÄT | in: Prinz, Köln, Dezember 2000 | Grenzen sind dazu da, sie zu übertreten. Wer die Fotografien oder Kurzfilme des Deutsch-Ukrainers Miron Zownir gesehen hat, weiß, dass damit durchaus auch Scham oder Ekelgrenzen gemeint sein können. Zownirs Fotos zeigen Obdachlose, Fixer, Transvestiten, Prostituierte und Behinderte, Außenseiter der Gesellschaft. Dabei wirkt durch seine Linse keine noch so heftige S/M-Nummer pornografisch oder voyeuristisch. Zownir, dessen Biographie selbst Jack Keruac vor Neid erblassen lassen würde, zoomt sich nicht einfach durchs Schlüsselloch. Seine Bilder entstehen ohne Distanz, er setzt sich mit den Menschen auseinander und reizt sie zu einer Reaktion, einem echten menschlichen Ausdruck, der auch durch jede noch so provokante Geste hindurchscheint. Seine tabulosen Aufnahmen zeichnen ein ungeschöntes, echtes Bild von Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig nach anderen Normen leben als der Durchschnitt. Zownir sieht sich selbst als „dokumentarischer Anwalt der Außenseiter", zu denen er selbst fünfzehn Jahre lang in den Subkulturen der Metropolen Amerikas als deutscher Auswanderer gehört hat. Mittlerweile lebt er in Berlin und feiert auf der Vernissage in Köln seinen 46. Geburtstag. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl eher portraithafter, weniger offensichtlich schockierender Zownir-Fotos, die in den letzten zwanzig Jahren in New York, Moskau und Berlin entstanden sind. – „Radical Eye“, Büro für Fotos, Ewaldistr. 5, Vernissage 3.12.2000.

DAS RADIKALE AUGE DES MIRON Z. Seine Bilder treffen härter als ein Schlag in die Weichteile. Sie öffnen die Pforten zu verborgenen Welten, deren Bewohner sonst übersehen, ausgegrenzt oder nur aus sicherer Entfernung bestaunt werden. | in: Hustler, März 2005 | Stanley Kubricks Drehbuchautor Terry Southern bezeichnete den deutschukrainischen Fotografen und Filmemacher Miron Zownir, der Anfang der achtziger Jahre nach Amerika emigrierte, als „Poeten der radikalen Photographie". Doch seine Bilder verzaubern nicht, sie tun weh.
Ungeschönt drückt Zownir in stimmungsgeladenem schwarz-weiß eine grausame Form von Poesie aus, die durch die Darstellung der nackten Wirklichkeit manchmal wie entstellt wirkt. In seinen Fotografien begegnen wir dem wilden Wahnsinn bizarrer Erotik, der lautlosen Einsamkeit schriller Großstadt-Freaks, allen Verdrängungen denen sonst kein Raum geboten wird. Zownir lässt uns durch seine Augen zurückblicken in die längst zerstörten Lebensräume der lustvollen Exoten, gesellschaftlichen Außenseiter und Kamikaze-Künstler. Es ist ein intimer, unzensierter Blick.
Ehrlich und intensiv hält er jedem Vorwurf eines vordergründigen Voyeurismus stand. Denn Zownir lebte selbst ohne existenzielle Sicherheit in den Gegenden seiner Motive und traf dort mit seinem Auslöser genau den Nerv der Zeit. Als Geldeintreiber, Matrose, Drehbuchautor oder Verfasser von Telefonsextexten überlebte er auf der hauchdünnen Linie zwischen Zwangsjacke und Handschellen, ohne seine künstlerische Kompromisslosigkeit zu verlieren. Viele seiner Fotografien aus Berlin, London und New York sind inzwischen Zeitdokumente. Wie zum Beispiel die Aufnahmen von den „Sex-Piers", dem Homosexuellentreff zwischen dem West Side Highway und Hudson River, kurz bevor die New Yorker Polizei 1982 die „Hallen der anonymen Lust" für jede Art von Verkehr sperren ließ.
Aber nicht nur die „Sex-Piers", sondern auch viele andere Kulissen seiner Fotografien im früheren Gebiet der sogenannten „Hell’s Kitchen“ sind längst puritanischem Sauberkeitswahn und Kriminalitätshysterie zum Opfer gefallen. Wegen seiner fotografischen Recherchen wurde Miron Zownir wiederholt inhaftiert, attackiert und nachträglich zensiert. 152 seiner Bilder, die jeder sehen sollte, sind in dem Fotobuch „RADICAL EYE" (Die Gestalten Verlag, Berlin) erschienen. Darin zeigt er uns auch die russische Metropole Moskau im Blitzlicht eines Nahkämpfers, der bis zur Schmerzgrenze geht.
Mit Bildern von Menschen, die einsam und unbeachtet unter tausend Zeugen starben, kehrte Zownir 1995 zutiefst schockiert nach Berlin zurück. Dort lebt er seitdem und hat gerade sein Filmportrait „Bruno S. - Die Fremde ist der Tod“ fertiggestellt. Im sogenannten heiligen Jahr fotografierte Zownir Pilger in Lourdes und begleitete eine spanische Geißlerprozession auf ihrem Kreuzgang. Mit ungebrochener Kraft wehrt Zownir sich gegen die strikten Regeln der Dokumentarfotografie.
Es heißt von ihm, dass er dort ansetze, wo Diane Arbus und Weegee aufgehört haben. Doch seine geistige Patenschaft findet Zownir eher in der Literatur. Er beschreibt seine Arbeit mit einem Zitat aus „Das Schloß“ von Franz Kafka: „Hat man die Kraft, die Dinge unaufhörlich, gewissermaßen ohne Augenschließen anzusehen, so sieht man vieles. lässt man aber nur einmal nach und schließt die Augen, verläuft sich gleich alles ins Dunkel."

© http://www.no-art.info/zownir/presse-de.html