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Wolf Vostell | NO!art involvement DE | EN
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† NACHRUF

N O ! a r t  ist
die strategische
Kreuzung,
auf der sich
künstlerische
Produktion und
gesellschaftlich
kulturelle Aktionen
begegnen.

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ZUVIEL BLUT AUF DEN BILDERN, 1977 | Als im Jahre 1976 die Nationalgalerie in West-Berlin eine große Ausstellung gestaltete mit dem Titel: "Kunst von 1945 bis Heute - Kunst aus den USA in Europäischen Sammlungen", konnte man weder Sam Goodman noch Boris Lurie vertreten finden. Selbstverständlich könnte man auch die Gegenfrage stellen und wir erhielten das gleiche Resultat beim umgekehrten Weg, denn in keinem amerikanischen Museum befindet sich eine Arbeit von Vostell. So ist der Stand der Dinge 1977. Als ich zum ersten Mai 1963 in New York in der Smolin Galerie ausstellte, kamen sinnigerweise zusammen Claes Oldenburg und Andy Warhol einen Tag vor Eröffnung der Galerie. Mit einem AAHHH.. .äußerte sich Warhol mit großem Erstaunen und Verwunderung über das, was er von mir sah.
Die Kritiker in der Stadt aber lamentierten: Ja, man muss das Foto pure verwenden als Fundstück, wie Warhol - ohne persönlichen Kommentar. So etwa wie Duchamp seine Objects Trouves rein belassen hat, nicht so wie Du oder Lurie, die Photos kommentieren oder mit Kriterien noch aufladen. Zur gleichen Zeit lernte ich dann Boris Lurie kennen - etwas später durch ihn Sam Goodman. Es war allzu natürlich, dass sich eine Begegnung ergab, weil wir am selben Thema, an der gleichen Ausdrucksweise arbeiteten. Folgerichtig blieb der Kontakt mit den Pop-Stars aus. |  weiter lesen

BRIEF AN BORIS LURIE, 1995 | Lieber Boris! Schalom. Willkommen in Berlin! Wie geht es dir? Gerade habe ich mir, auf dem Weg von Chinchon nach Oropesa de Toledo, ein Kistchen Coiba Siglo IV gekauft (Cuba-Zigarren seit 1492), denn in Spanien ist Rauchen noch nicht verboten. Die meisten schönen Frauen auf diesem Weg haben lachende Gesichter, und es sind 36 Grad bei klarem Licht. Wir sind 503 Jahre nach der Expulsion der Juden aus Spanien, und es ist hier die Art, dass sich keiner mehr damit beschäftigt, im Gegensatz jedoch zu den Betroffenen. In den intellektuellen Kreisen möchte irgendwie jeder von den Sephardies abstammen, was auch für gewisse Dörfer zutrifft, in denen Juden blieben. Erinnern wir uns an das königliche Dekret, 1492 im Jahr der Entdeckung Amerikas, entweder auswandern, konvertieren oder Todesstrafe.
Wie das in Deutschland 503 Jahre nach dem Holocaust aussehen wird, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall, 50 Jahre danach ist Deutschland nach wie vor ein heikles Terrain, was Toleranz anbelangt. Der rassistische Wahnsinn springt über auf Ästhetische Intoleranz (Skulpturenboulevard Berlin 1987), was daran liegt, dass große Gruppen der Bevölkerung die Idee der Moderne und der Avantgarde in der Kunst des XX. Jahrhunderts ablehnen (auch schon vor 1933). Fax, Video und CD-Rom lieben sie natürlich. Ich habe den Verdacht, dass viele Bürger gerne den Begriff "entartete Kunst" für das, was ihnen nicht schmeckt, wieder benutzen würden; würde dieses Zitat sie nicht in ihren Ansichten decouvrieren. Leider habe ich auch 1963 in New York die feindliche Erfahrung und Anhörung machen müssen, die Dir und der NO!art entgegenbracht wurde (gegen Fluxus ebenfalls). Selbstverständlich war die Kritik immer für Pop-Art und gegen alles, was den "American Way of Life" störte. |  weiter lesen

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