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JEAN TOCHE

Kunstverein Neuhausen | Schloßplatz 1, Neuhausen | 19. Mai bis 8. Juli 2006

Moralist, Aufklärer und Kämpfer

Er steht mit seiner ganzen Person und physischen Präsenz für die Ernsthaftigkeit seines Anliegens. Nichts ist bequem und eigentlich alles, was er zeigt, ist alles andere als schön. Er mischt Privates und Öffentliches und zeigt intime Ansichten seines alternden Körpers. Die Trennung von Kunst und Politik ist in seinen Augen inakzeptabel. Seine aktuellen Arbeiten leben durch die Kombination von Bild und Schrift, Fotografien und Zitaten, viele von ihnen sind ironisierende Kolportagen. Jetzt sind sie unter dem Titel "EXPLORING THE SEWERS OF BRUTAL POWER (Untersuchung des Nährbodens roher Gewalt)" im Rathaus Neuhausen zu sehen.

Im November 1970 zündeten fünf Mitglieder und Freunde der GAAG (Guerilla Art Action Group) - unter ihnen war Jean Toche - in New York zwei zu einem Sack vernähte amerikanische Flaggen an. Der Sack war mit Knochen und Eingeweiden gefüllt und statt des Sternenfeldes zierte ein Statement zur politischen Situation in Belgien die Flagge. Die anschließende Ausstellung der "Burned U.S. Flag" wurde 1970 umgehend per Dekret verboten. Ein Live - Mitschnitt der Performance ist jetzt erstmals Öffentlich zu sehen. Seit der Ausstellung "legal/illegal" im Jahr 2005 befindet sich die durch Brandwunden gezeichnete US-Flagge in der Obhut des Kunstvereins Neuhausen. Sollte sie nach Amerika zurück geschickt werden, besteht die Gefahr, dass sie konfisziert wird. Diese Arbeit ist damit nicht nur der Ausgangspunkt, sondern gleichzeitig der Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung. Jean Toche wurde 1932 in Brügge (Belgien) geboren, seit 1965 lebt er vorwiegend in den USA. Er gehörte zum Umfeld der New Yorker Fluxusbewegung und schloss sich 1969 einer Vereinigung linkspolitischer Kulturschaffender gegen den Vietnamkrieg an. Im selben Jahr gründete er zusammen mit drei anderen Künstlern die GAAG. Bis 1976 führten die Künstler 40 Aktionen durch, die Toche als "Reality Theatre of Destruction" charakterisierte. Er arbeitete mit Kakerlaken und Rinderblut und machte bei seinen radikalen und tabulosen Aktionen durchaus auch die Bekanntschaft mit Gefängniszellen und der Psychiatrie. Künstler im affektierten Kunstbetrieb versteht er als Prostituierte eines westlichen Systems. Sich selbst bezeichnet er als "non - profit artist". Seine Arbeiten können nicht gekauft werden, er druckt sie selbst, verschickt sie als Mailart und jedem erteilt er das Recht, sie zu vervielfältigen. Vehement attackiert Toche in seinen jüngsten Arbeiten "Pres. Bush", seine Aussagen und Statements, besonders aber den Irakkrieg und seine Folgen. Auch die Art und Weise, wie die Bush-Regierung nach dem 11. September immer wieder ängste schürt, ist wiederkehrender Kritikpunkt: "We are so tired of Bushs evil manipulations an lies!" Grundlage der Arbeiten sind Zeitungsmeldungen und Fotos aus Printmedien, Toche verknüpft sie mit einer performativen, tabulosen Selbstinszenierung. Ins Visier nimmt er neben der Sicherheits- und Sozialpolitik seines Heimatlandes USA auch repressive Aktionen wie jene, als im ersten Quartal dieses Jahres unerlaubterweise und im großen Stil in den USA Postsendungen geöffnet wurden - und dann im Nachhinein das Vorgehen legalisiert wurde. Was Toche zeigt, ist nicht schön, oder gar gefällig - das liegt in der Sache selbst begründet, und manches ist recht populistisch. Indem er sich selbst und seinen entblößten Körper in seiner ganzen Verletzlichkeit präsentiert, verleiht er seinem Anliegen und seiner Arbeit allerdings ein Höchstmaß an Integrität.

© www.no-art.info/toche/shows/2007_neuhausen.html