zum NO!art-Menü  NO!art NEWS + KÜNSTLER + ÜBER UNS + BLAF MANIPULATION + MAIL Überblick  ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT
Naomi T. Salmon | NO!art involvement <<< | >>>
Rezension Suche und finde im NO!art-Archiv

NAOMI LOVES THE EAST

Katalogtext von Andrea Dietrich zur Wandinstallation Naomi loves the East, 2002/04

"ISLAMISCHE WELTEN - Vom roten Stern zur blauen Kuppel
Kunst und Architektur aus Zentralasien", Berlin 2004

Seit der Entscheidung, ihre Heimat Jerusalem zu verlassen, begleitet Naomi Tereza Salmon die Sehnsucht nach dem Orient. Unentwegt unterwegs, findet sie Spuren in der Fremde, in der sie mittlerweile zuhause ist. Salmons Dazwischen-Stellung ist ihr künstlerisches und persönliches Credo geworden. Ohne sich als Dokumentarfotografien zu sehen, nutzt Salmon die Mittel der Dokumentation und der seriellen Sammlung. Abbildungen und Mitbringsel der Reisen werden von ihr im Atelier akribisch gesichtet, geordnet, archiviert, mit zeitlicher und räumlicher Distanz inszeniert.

So sammelte sie 2002 während des Moving-Workshops "Non-Silk Way. Asian Extreme" Audio-Samples und Souvenirs in Kasachstan. Anschließend begab sie sich auf Spurensuche durch Usbekistan. Spätestens in Buchara, wo noch im 19. Jahrhundert ein Teil ihrer Vorfahren lebte, trafen allgemeine mit familiären Entdeckungen zusammen. Ihre unprätentiösen und unverfremdeten Aufnahmen gelten gezielt ausgewählten Dingen mit Bezügen zur Vergangenheit und Herkunft, die durch die fotografische Reflexion im neuen Kontext erscheinen. In Zentralasien waren es die ornamentalen, Salmon vertrauten orientalischen Details der Architektur, Alltagsgegenstände, Gewürze, Kleidungsstücke, die sie mit ihrem Gespür aus dem überangebot herausfilterte. Es sind die einfachen Motive, Verzierungen, Farben und Werkstoffe in Ausschnitten, die Raum lassen für Interpretationen und unser Wahrnehmungs- und Erinnerungsvermögen auf die Probe stellen. Die Idee des Ornaments, das vielfältige religiöse und gesellschaftliche Informationen enthält, bewegt sich zwischen Chaos und Ordnung, Einheit und Vielfalt, Zwang und Freiheit. 1908 verfasste Adolf Loos seinen berühmten Aufsatz "Ornament und Verbrechen", der das Ornament in den Hintergrund drängte, wo es überlebte und erst vor einiger Zeit eine Wiedergeburt in Kunst und Architektur erfuhr. Es darf erneut zwischen Innen und Außen, Oben und Unten vermitteln, denn es bedarf keines Anfangs und Endes. Vielmehr bewegt es sich "Inbetween", sowohl im lokalen als auch im globalen Kontext.

© www.no-art.info/salmon/presse/2004_dietrich.html