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LURIES TESTAMENT
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Hubert Fichte / Lil Picard:
Originalaufnahmen New York 1975/76

Herausgegeben von Klaus Sander

Audio-CD, 80 Minuten | ISBN 3-932513-42-8 | April 2004 |  INFO

Lil Picard, geboren am 4. Oktober 1899 in Landau in der Pfalz. Malerin, Bildhauerin, Kunstkritikerin, Fotografin, Performance- und Happening-Künstlerin. Im Interview mit Hubert Fichte erzählt Lil Picard, die "große Pop-Mutter", "Muse der amerikanischen Avantgarde", "Großmutter der Hippies" und "Gertrude Stein der New Yorker Kunstszene", ihre Lebensgeschichte - von detaillierten Beschreibungen ihrer alltäglichen Rituale, über die Entwicklung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit bis zu ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit mit Andy Warhol.
"Lil Picard ist in Deutschland durch Berichte bekannt, die sie über das New Yorker Kunstleben schreibt. Ihre Publikationen zeichnen sich durch Verständlichkeit, Präzision und Sensibilität aus, sie zählen zum Besten, was in deutscher Sprache über moderne Kunst veröffentlicht wird... Frau Picard kennt noch das Berlin der abklingenden zwanziger Jahre. Meidner, Grosz, Mehring, Schwitters und die Lasker-Schüler standen ihren ersten schriftstellerischen Versuchen zur Seite. 1935 verlässt sie Deutschland. In Amerika - losgerissen von den vertrauten Bindungen, der Sprache kaum mächtig - versucht sie, ihre Erlebnisse und Empfindungen im Bild auszudrücken... Vor einigen Jahren begannen in England Maler Pin-up-Girls, Muskelmänner, Plastikwannen und dergleichen abzubilden oder teilweise in ihre Bilder einzukleben. Sie wollten unsere aktuelle Umwelt darstellen, wollten volkstÜmliche Kunst schaffen, kurz Pop Art genannt. Die neue Richtung sprang nach Amerika über, und die Pop Artists - über die Lil Picard so anschaulich zu berichten weiß - erklärten sie selbst zu einer Pop Artist, während Lil Picard doch schon viel eher derlei versuchte, als ihr keine andere möglichkeit zur Verständigung blieb..." (Hubert Fichte, 1963)

PRESSEBESPRECHUNGEN

"Nicht nur durch seine Romane, Reisen und Ritenkunde besticht Hubert Fichte bis heute. In Gesprächen und Interviews erweist sich seine genaue und sensible Art des Fragens. Damit hat er die Kiezbelegschaft auf St. Pauli wie Politiker oder Künstler zur Sprache gebracht. In NY, der schwarzen Stadt, für Fichte ein Rom der Neuzeit, hat er die pfälzische Emigrantin Lil Picard getroffen. Bei supposé sind die Gespräche mit der flippigen Kunstkennerin nun nachzuhören. Das avancierte Label für Sprache und Musik, das auch Fichtes Interviews aus dem Palais d'Amour und seine Hörstücke zugänglich gemacht hat, beweist sich ein weiteres Mal für intellektuelle Höhen- und Langstreckenflüge." (Petra Nachbaur, Echo - Tirols erste Nachrichtenillustrierte)

"Der Kölner supposé-Verlag, dem wir bereits drei wunderbare CD-Editionen mit O-Tönen Fichtes verdanken (unter anderem die Originalbänder der St. Pauli Interviews), hat aus den - nur in Ausschnitten erhaltenen - Aufnahmen Fichtes mit der Popartistin Lil Picard eine liebevoll gestaltete CD gemacht, auf der man nicht nur das Auf und Ab des elektrischen Betts hört, das bei ihren Performances eine zentrale Rolle spielte, sondern auch die präzisen Beschreibungen allTäglicher Rituale (unterbrochen durch Fichtes Erkundigungen nach Verdauungsstörungen), früher Kindheitserlebnisse und später Erfahrungen in New York." (Jan-Frederik Bandel, Frankfurter Rundschau)

"Eine schräge Person, diese Lil Picard, die 'pollution poems' schrieb, um die Umwelt mit ihren Gedichten zu verschmutzen, und eine enge Vertraute von Andy Warhol war. Die damals 76-jÄhrige hatte Hubert Fichte viel zu erzählen: über ihren Alltag, die Vorteile von Yoga-Übungen in der Badewanne, die grauenvolle amerikanische Marmelade ebenso wie über erste Lektüren und Lieben. Es ist ein interessantes Tondokument, das supposé da ausgegraben hat. Mark Rothko ist nur einer von vielen Künstlerkollegen, über die Picard spricht. Sie sei immer sehr 'publicity-minded' gewesen, stets erpicht, in die Zeitung zu kommen. Nun ist Lil Picard auch auf CD vorhanden." (Knut Cordsen, Bayern 2 Radio, 15:05 Hörbuch-Magazin)

"Der manische, archäologisch vorsichtige Kulturenbeobachter Fichte führte viele Interviews, nach den Nachtfaltern von St. Pauli auch Mitte der 70er in New York mit der Künstlerin Lil Picard. Ihn faszinierte, wie die damals schon 76-jÄhrige ihren Alltag bestritt. Dazu befragt er die in Landau geborene 'große Pop-Mutter' behutsam und sanft und soft, und sie plaudert über Yoga, Marmelade und ihren Schlafrhythmus. Ein Happening." (Matthias Penzel, Rolling Stone)

"Wie andere Tonband-Mitschnitte des großen Hamburger Autors - die St. Pauli Interviews - enthüllt auch das Gespräch mit Lil Picard eine Interviewtechnik, die ihresgleichen sucht. Kurze, präzise Fragen, eine in der Stille hörbare Konzentration und Ruhe, in der aus der Geschichte eines Lebens nichts als unwesentlich ausgegrenzt wird. Alltag als Kunst. Pop-Art. Großartig." (Der Standard, Wien)

"Es ist das Verdienst von Hubert Fichte, dass seine Gesprächspartnerin nicht nur über ihr bewegtes Leben in der Kunst erzählt, sondern auch immer wieder einmal vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Die akustisch belegten Bekundungen aus dem täglichen Leben der Künstlerin, die ab 1937 in New York wichtiger Bestandteil der Kunstszene war, holen die Kunst und die Künstler vom Sockel. Lil Picard erzählt äußerst wach und dem Zeitgeschehen folgend über ihre Jahre im Big Appel, die stark von öffentlicher Gewalt und Überfällen gefährlicher Gangs geprägt waren." (Klaus Hübner, Jazzthetik)

"Hubert Fichte und Lil Picard: Sie kannten sich, waren per Du, als Mitte der siebziger Jahre in der 40 East/Ninth Street in New York ein Tonbandgerät ihre Gespräche aufzeichnete. Das Interview beginnt wie zufällig: Lil Picard am Telefon. Im Hintergrund Verkehrsgeräusche. Sie dringen in die kleine Wohnung auf der Upper East Side und mischen sich als New Yorker Alltag in den Plauderton der alten Dame, deren Deutsch mit vielen Amerikanismen durchsetzt ist. Auch im weiteren Verlauf erfüllt diese Aufzeichnung keine der Voraussetzungen eines klassischen Rundfunkinterviews mit ausgeblendeten Hintergrundgeräuschen und Straffungen, wie man sie nachträglich im Studio am Schneidetisch vornahm, um sie von allen Redundanzen der Umgangssprache zu befreien. Hubert Fichte strebte das Gegenteil an. Typisch für seinen Interviewstil war das Authentische. Er gab der 'Parole' den Vorzug vor der verkÜrzten prägnanten Schriftsprache. Das aus sechs Einzelteilen bestehende Interview ist ein Hörbild, voller AtmosphÄre, lebendig und bei allem Ernst nicht ohne Situationskomik. Die Stimmen gehören zu einem Raum, der akustisch mit in Erscheinung tritt. während Lil Picard erzählt, geht sie Tätigkeiten nach, führt etwa ihr elektrisch verstellbares Bett vor, dessen laut surrender Motor die Stimmen übertönt. Ein 'Kunstwerkbett', erklärt sie, damit habe sie diverse Happenings aufgeführt. Gegenstände fallen zu Boden. Sie hustet. Das Tonband zeichnet alles auf. Hubert Fichte lenkt Lil Picards Schilderungen mit seinen suggestiven und vertraulichen Fragen - Fragen zum manipulierten Kunstmarkt, der New York um 1960 zur Kunstmetropole machte, zu Lil Picards eigener Vergangenheit, ihrer Kindheit in der Pfalz, Jugend in Straßburg und zu ihrer künstlerischen Laufbahn - und immer wieder Fragen zu Andy Warhol. Mit dieser Aufnahme sind wir in ihrem privaten Ambiente, dem bescheidenen kleinen Domizil, das sie, eine alt gewordene Emigrantin, mit ihrem Mann teilte, wo sie mit Bienenfleiß schrieb und sich ihre künstlerischen Aktionen ausdachte." (Barbara Catoir, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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