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Jean-Jacques Lebel | NO!art involvement DE | EN
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N O ! a r t  ist
die strategische
Kreuzung,
auf der sich
künstlerische
Produktion und
gesellschaftlich
kulturelle Aktionen
begegnen.

LURIES TESTAMENT
mail
 

Jean-Jacques Lebel, geboren 1936 in Paris, macht zu einem sehr frühen Zeitpunkt in New York drei entscheidende Bekanntschaften: Billie Holiday, Marcel Duchamp und Andre Breton. Er veröffentlicht seine erste Zeitschrift für Kunst, Poesie und Politik, Front Unique (zunächst in Plakatform, dann als illustrierte Bände) in Florenz, wo er 1955 in der Galleria Numero seine erste Ausstellung präsentiert. Nach einem turbulenten Besuch bei den Surrealisten stellt er in Mailand bei Arturo Schwarz und in Paris bei Iris Clert und Simone Collinet sowie in der Folge in zahlreichen Museen und Galerien auf der ganzen Welt aus. 1960 organisiert er in Venedig das erste Europäische Happening, L'Enterrement de la Chose. Er veröffentlicht darüber seinen ersten kritischen Essay in französischer Sprache und arbeitet in Paris und New York mit Oldenburg, Kaprow, Kudo, Erro, Schneemann, Pommereulle, Nam June Paik, Robert Filliou, Yoko Ono etc. übersetzt William Burroughs, Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti und Gregory Corso. Er organisiert mit anderen 1960 und 1961 in Paris, Venedig und Mailand L'Anti-Procès, ein ambulantes Manifest gegen den Algerienkrieg (an dem sich dreißig Künstler aus mehreren Ländern beteiligen) und übernimmt die Initiative für das Große kollektive antifaschistische Gemälde (4x5 Meter), das, nachdem es 24 Jahre lang in der Questura von Mailand hinter Verschluß gehalten worden war, auf wundersame Weise wieder gefunden wurde und, nachdem es den Künstlern zurückgegeben worden war, 1996 im Musée National d'Art Moderne in Paris im Rahmen der Ausstellung „L'Artiste face à l'histoire" ausgestellt wurde.

Ab 1960 veranstaltet J.-J. Lebel ca. 60 Happenings, Performances und Aktionen auf verschiedenen Kontinenten, gleichzeitig beTätigt er sich weiter malerisch, poetisch und politisch.
1964 erfindet er das Festival de la Libre Expression, das Hunderten Künstlern, Dichtern, Cineasten und Musikern aus mehr als zehn Ländern offen steht. Das Festival organisiert Abende für direkte Poesie, Konzerte, Happenings, Ausstellungen, Filmprojektionen..

1967 inszenierte er Picassos Stück Le Desir attrape par la queue mit Taylor Mead, Rita Renoir, Ultra Violet und der Soft Machine..

1968 beteiligt sich J.-J. Lebel aktiv an der anarchistischen Gruppe Noir et Rouge und am Mouvement du 22 mars und in weiterer Folge an I.C.O. Er besucht die Philosophievorlesungen von Gilles Deleuze an der Fakultät von Vincennes und an der Fakultät Saint Denis und macht Radiosendungen für France Culture über A. Ginsberg, P. Clastres, das Aktionskomitee LIP, L.K.J. usw.

J.-J. Lebel veröffentlicht mehrere Bücher: Anthologie de la Poésie de la Beat Generation, Verlag Denoël, Pa-ris; Le Happening, Verlag Denoël, Paris; Lettre ouverte au Regardeur, Librairie Anglaise, Paris; Entretiens avec le Living Theatre, Belfond, Paris; La Chienlit (Dokumente zur französischen Mai-Revolution), Joseph Melzer Verlag, Darmstadt; Teatro y Revolution, Verlag Monte Avila, Caracas; L'Am(o)ur et l'Argent, Verlag Stock, Paris; POESIE DIRECTE (Happenings beim Polyphonix), Verlag Opus International, Paris, usw....

In den 70er Jahren leitet er mit Daniel Guerin die Sammlung „Changer la vie!" im Verlag Pierre Belfond, Paris, der die großen historischen Texte der internationalen anarchistischen Bewegung herausgibt..

1979 initiiert er das internationale Festival POLYPHONIX (direkte Poesie, darstellende Kunst, Performance, Musik, Video), das mit Hunderten von Teilnehmern unterschiedlichsten Ursprungs, von Paris bis San Francisco, von Mailand bis New York, von Budapest bis Quebec, von Neapel bis Caen, von Brüssel bis Parma, von Rom bis Barcelona, von Szeged (Ungarn) bis Cetinje (Montenegro) umherwandert..

Parallel dazu organisiert er einige Gruppen- und Einzelausstellungen darunter L'Anti-Procès (Paris, Venedig, Mailand, 1960-61); Polyphonix (1982, Paris); Les Scapes de Erro (an der A.R.C., Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, 1985), Victor Hugo, Peintre (Museum für moderne Kunst, Venedig, 1993), Picabia, Galerie Dalmau (an der IVAM von Valencia 1995, an der Fondation Tàpies in Barcelona und am Musée National d'Art Moderne de Paris, Centre Georges Pompidou, 1996); Cent Cadavres Exquis, Juegos Surrealistas (Fundaciòn Coleccion Thyssen-Bornemisza, Madrid, 1996/97)..

Nach seiner Rückkehr aus einem langen meditativen Exil beginnt Jean-Jacques Lebel 1986 wieder seine eigene bildnerische Arbeit öffentlich in Galerien und Museen in Europa, den USA und in Japan auszustellen. 1992 widmet ihm das Museum für moderne Kunst in Reykjavik eine große Ausstellung. 1998 wird im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien eine retrospektive Wanderausstellung mit seinen plastischen Werken veranstaltet, die in der Folge im Ludwig Museum in Budapest, in Hamburg, Mailand, Neapel und Paris gezeigt wird..

Sein Monument für Felix Guattari, eine multimediale motorisierte Maschine von 8 Metern Höhe wurde 1994 im Musée National d'Art Moderne (Centre Georges Pompidou) in Paris im Rahmen der Ausstellung Hors Limites, l'Art et la Vie gezeigt. Mehrere elektrische Modelle dieses Monuments wurden im Mai 1996 in der Galerie de Paris und in der Galerie 1900-2000 sowie im August 1996 in der Galleria Franca Mancini von Pesaro anlässlich einer Ausstellung mit dem Titel Rue Rossini ausgestellt..

Veröffentlicht in: Jean-Jacques Lebel, Bilder, Skulpturen, Installationen, Katalog, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien 1998

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