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Blalla W. Hallmann | NO!art involvement <<< | >>>
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DIE SPRACHE VERSCHLAGEN

Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann

Städtische Kunsthalle Recklinghausen | Große-Perdekamp-Str. 25-27 | 45657 Recklinghausen
05.08.2007 - 23.09.2007
Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, dem 5. August 2007 um 11 Uhr
in der Kunsthalle Recklinghausen laden wir herzlich ein.
Es sprechen: Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Dr. Hans-Jürgen Schwalm
und Matthias Reichelt (Publizist, Berlin)

EINLADUNGSKARTE

Einladungskarte

Die Sprache verschlagen
Die Bildgewalt des Blalla W.Hallmann



Sieben Blalla-Weisheiten
derletztenTage

Es geschehen
immer mehr Zeichen als Wunder.

Als Seiltänzer
sollte man die Erde nicht aus den Augen verlieren.

Es ist leichter,
einen Bock zu schießen als auf einem zu reiten
.
Sei schlau und geh’ nicht aus dem Bau,
wenn du brennende Steine am Himmel siehst.

Beim Abseilen ist zu berücksichtigen,
dass man sich genügend Kräfte
für den Wiederaufstieg bewahrt.

Wehe, wenn die Flamme erlischt,
die Nacht hereinbricht und dich
im nördlichen Eismeer antrifft.

Wer Augen hat zu sehen, der sehe!
Wer keine Augen hat, der sehe Augen!
 
Manfred Schneckenburger: Eine engelhafte Kunst, Teufel zu malen
in: Katalog Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, 1996

Blalla W. Hallmann ist ein Radikaler. Einer, der über Grenzen hinaus spuckt – und jedes Mal trifft. Ein Zauberer, der unsere Welt in Himmel und Hölle verwandelt – und sie dadurch erst recht als unsere Welt entlarvt. Ein Originalgenie im schönsten, zwiespältigsten Sinn.

Einundzwanzigjährig malt er wunderbar ausgewogene Bilder, mittigzwischen Kinderzeichnung, Ikone und Akademie. Auch als reifer Künstler gibt er die Scheinnaivität dieser dunkel leuchtenden Drachen, Engel, Blumenteppicheund Urwälder nicht auf. Aber er reichert sie mit einer stupenden Fähigkeit zu Komposition, Räumlichkeit, Lichtführung an. Er arbeitet, Schub um Schub, die fränkische Gotik, Grünewald, Bosch, Goya, Runge, Ensor, Rousseau, Grosz in sein Werk. Er pflegt mit der Kunstgeschichte souveräneren Umgang als je ein postmoderner Zitatenkoketteur. Er macht sich in derWelt klassischerWeltenlandschaften breit und kommt, nein, will nicht los von der manischen Fixierung auf Christgeburt, Abendmahl, Kreuzigung, Himmelfahrt, Heilige Dreifaltigkeit.

Er ist ein Traditionalist aus schierer Aggression. Blalla macht Malerei und Zeichnung für psychische Risikozonen porös, aus denen produktive Wut, visionäres Entsetzen, halluzinierter Wahn eindringen. Doch er überführt den paranoischen Zwang zu Symmetrie, Spiegelbild, Hierarchie, Repetition in eine höchst bewusste, kritische, narrative Reflexion. Er kennt den Abgrund vom eigenen Absturz her, aber der Schock von innen entlädt sich in die Fülle der äußeren Wirklichkeit. Blalla bürdet dem naiven Gestus ganze Philosophien über den Zyklus von Geburt, Folter- und Leichenkammern, Todesmühlen auf. Einige Bilder aus den 1980er Jahren sind Weltenlandschaften aus KZ-Horror, Inquisition, Bigotterie und rosa überwölktem Voralpenland: ein Theater der Grausamkeit, infernalische Tableaux – und doch fast komödiantisch, ja parodistisch inszeniert. Blalla erkennt darin keinenWiderspruch, sondern die Doppelbödigkeit und Tücke einer idyllisch verlogenen Welt. Am Gegenpol leuchten Bilder mit Flügen in ein gläsernes Licht, Trapezkünstler und Seelenschmetterlinge in einem circensischen Ballett. Auch das findet Platz in Blallas poetischer Ironie.

Doch ein Grundthema bleibt die pissende, scheißende, fickende, obszön unterlaufende Destruktion von Ritualen der Autorität. Seine idée fixe (oder Wunde?) ist die Bindung dieser Rituale an eine christliche Engels-Heiligen-Pfaffen- und Teufelswelt. Deshalb verkuppelte er das unschuldige Kind in sichmit der Hure von Babylon und schändet die Symbole in einem monströsen Zeugungsakt. ...

So kreuzt Blalla ebenso wutentbrannt wiemühelos, blasphemisch wie poetisch zwischen Obsession und Komposition, kreativer Abreaktion und hochkarätiger Malerei. Er verfügt über einen zeichnerischen Stil, der mit böser Liebe detailliert, und einen malerischen Stil, der aus bösen Dämpfen Atmosphäre webt. Natürlich ist Blalla ein gefundenes Fressen für Tiefen- und andere Psychologen, doch seine Malerei läuft ihnen locker in Richtung Kunst davon.

PRESSETEXT

Vom 5. August bis 23. September zeigt die Kunsthalle Recklinghausen in der Ausstellung „Die Sprache verschlagen – Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann“ mehr als einhundert Werke aus allen Schaffensperioden des illusionslos pessimistischen Malerpoeten.

Blalla W. Hallmann verstarb 1997 im Alter von nur 56 Jahren im fränkischen Windsbach. Bis heute polarisiert sein Werk das Publikum wie auch das Betriebssystem Kunst. Einerseits findet es begeisterte Anerkennung, andererseits wendet man sich schockiert und Ekel erregt ab. Denn Blalla W. Hallmann, der in Düsseldorf und Nürnberg studierte, entwirft in seinen Bildern ein phantastisches Welttheater, das den apokalyptischen Tableaus eines Hieronymus Bosch an Grausamkeit nahe kommt, sie bisweilen sogar noch übertrifft. „Blalla W. Hallmann“, schreibt Manfred Schneckenburger, „ist ein Radikaler. Einer, der über Grenzen hinaus spuckt – und jedes Mal trifft. Ein Zauberer, der unsere Welt in Himmel und Hölle verwandelt – und sie dadurch erst recht als unsere Welt entlarvt.“

Die Ausstellung folgt einerseits der illusionslos pessimistischen Weltsicht des Künstlers, stellt ihn aber auch als Malerpoeten und wunderbaren Koloristen vor.

Aus Anlass der Ausstellung erscheint eine Monografie beim Verlag für moderne Kunst Nürnberg: Die Sprache verschlagen. Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann, herausgegeben und eingeleitet von Matthias Reichelt mit Beiträgen von Udo Kittelmann, Titus Milech, Barbara Kalender und Jörg Schröder, Klaus Theuerkauf, Klaus Theweleit und Anja Zimmermann. 240 Seiten, durchgängig in Farbe mit ca. 230 Abbildungen, Hardcover, DIN A4 Hochformat.

© http://www.no-art.info/hallmann/shows/2007_kh-recklinghausen.html