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BLALLA W. HALLMANN: NARREN- ODER KRÖNUNGSKAPPE?

Von Hartmut Kraft

Publiziert in: Ärzteblatt, Ausgabe Mai 2003, Seite 240, KUNST + PSYCHE

Foto: Eberhard HahneNach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik litt Blalla W. Hallmann bald wieder an einem Vergiftungswahn. Eine paranoid-halluzinatorische Psychose, die infolge von Entbehrungen und reichlichem Drogengenuss 1968 in den USA ausgebrochen war, kam auch Anfang der 70er-Jahre nicht zur Ruhe. Als Freunde ihn 1971 besuchten, fanden sie ihn abgemagert und entkräftet vor. Da er, wie er selber später erzählte, ausgesehen habe wie „das Leiden Christi“, überredeten ihn die Freunde, einen Gipsabdruck von seinem Kopf zu machen. Hallmanns Aussage nach sollen in den folgenden Jahren im Süddeutschen Raum mehrere große Kruzifixe mithilfe dieses Gipsmodells gefertigt worden sein, unter anderem eines im Regensburger Dom.

während nachfolgender stationärer Aufenthalte strickte sich der Künstler eine Mütze, die er mit einem breiten Rand und Sehschlitzen versah. Wird der Rand hochgekrempelt, ähnelt sie einer Pudelmütze, allerdings in auffälliger Weise bestickt und bestückt mit Federn, Knöpfen, Geldstücken und Kronkorken. Diese Kappe trug Hallmann in der Klinik und später, wenn er mit Freunden in die Kneipe ging. Die Mütze stellte für ihn einerseits eine bewusste Identifikation mit seiner Erkrankung dar, damit verbunden mit seiner Außenseiterrolle in der Gesellschaft als schizophrener Künstler. Blalla W. Hallmann krönte sich mit dieser Kappe zum Herrscher im Lande der uneingeschränkten Fantasie. Gleichzeitig gab die Mütze ihm Schutz, da sie, wenn er den Rand herunterkrempelte und die Sehschlitze sichtbar wurden, wie eine Gesichtsmaske wirkte, die andere Menschen erschrecken konnte.

Viele Jahre später, als der Künstler seine Erkrankung überwunden und mit seinen ebenso poetischen wie aggressiven Bildern Erfolg auf dem Kunstmarkt hatte, setzte er die Mütze auf den Gipsabdruck seines Kopfes und erklärte die so entstandene Skulptur zum Kunstwerk. Im Grenzbereich zwischen Kunst und Psychiatrie gehört diese Skulptur zu den eindringlichsten und den Betrachter in Bann ziehenden Werken.

© http://www.no-art.info/hallmann/rezensionen/2003_kraft.html