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BLALLA W. HALLMANN

Von Manfred Schneckenburger

publiziert in Katalog: Blalla W. Hallmann Regensburg 1996

Blalla W. Hallmann ist ein Radikaler.. Ein Zauberer, der unsere Welt in Himmel oder Höllen verwandelt - und sie dadurch erst recht als unsere Welt entlarvt. Ein Originalgenie im schönsten, zwiespältigsten Sinn. Einundzwanzigjährig malt er wunderbar ausgewogene Bilder, mittig zwischen Kinderzeichnung, Ikone und Akademie. Auch als reifer Künstler gibt er die Scheinnaivität dieser dunkel leuchtenden Drachen, Engel, Blumenteppiche und Urwälder nicht auf. Aber er reichert sie mit einer besonderen Fähigkeit zu Komposition, Räumlichkeit, Lichtführung an. Er arbeitet, Schub um Schub, die fränkische Gotik, Grünewald, Bosch, Goya, Runge, Ensor, Rousseau, Grosz in sein Werk. Er pflegt mit der Kunstgeschichte souveräneren Umgang als je ein postmoderner Zitatenkoketteur.

Er macht sich in der Weite klassischer Weltlandschaften breit und kommt nicht los von der manischen Fixierung auf Christgeburt, Abendmahl, Kreuzigung, Himmelfahrt, Heilige Dreifaltigkeit.

Blalla macht Malerei und Zeichnung für psychische Risikozonen porös, aus denen produktive Wut, visionäres Entsetzen, halluzinierter Wahn eindringen. Doch er überführt den paranoischen Zwang zu Symmetrie, Spiegelbild, Hierarchie, Repetition in eine höchst bewusste, kritische, narrative Reflektion. Er kennt den Abgrund vom eigenen Absturz her, aber der Schock von innen entlädt sich in die Fülle der äußeren Wirklichkeit. Blalla bürdet dem naiven Gestus ganze Philosophien über den Zyklus von Geburt, Folter- und Leichenkammern, Todesmühlen auf. Einige Bilder aus den 80er Jahren sind Weltlandschaften aus KZ-Horror, Inquisition, Bigotterie und rosa überwolktem Voralpenland: ein Theater der Grausamkeit, infernalische Tableux - und doch fast komödiantisch, ja parodistisch inszeniert. Blalla erkennt darin keinen Widerspruch, sondern die Doppelbödigkeit und Tucke einer idyllisch verlogenen Welt. Am Gegenpol leuchten Bilder mit Flügen in ein Gläsernes Licht, Trapezkünstler und Seelenschmetterlinge in einem circensischen Ballett. Auch das findet Platz in Blallas poetischer Ironie.

© http://www.no-art.info/hallmann/rezensionen/1996_schneckenburger.html