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Blalla W. Hallmann | NO!art involvement <<< | >>>
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Humordienst am deutschen Menschen als Sonderbehandlung

Ostdeutsche teilen gerne mit Westdeutschen,
Westdeutsche teilen gerne mit Ostdeutschen.
Diesmal im Angebot: Blalla W. Hallmann aus Köln

Von Norbert Stratmann

Publiziert in Katalog: Blalla W. Hallmann, Heim ins Reich, Berlin 1992

Blalla W. Hallmann ist ein Ständerfetischist, ein Freund von Armleuchtern und Wunderkerzen, Bärenaugen liebt er, geöffnete mehr noch als geschlossene.

Blalla W. Hallmann singt langbeinige Blondinen an, sie mögen ihm Liebe verkaufen und er ist ein Maler oder ein Schwätzer, ein Moritatensänger, ein Schweinepriester und Erzähler, ein verrückter Künstler.

Unsere schnelllebige Zeit sieht die schlesische Nachtigall, sieht Blalla in Köln erfolgreich, doch leider gibt es noch erfolgreichere Pinselanten. Wunderbare, böse Bilder entspringen Hallmanns Händen. Kleine Püppchen bevölkern seine wimmeligen Ölbilder - als Päpste gekleidet, als Nonnen und als SS-Männer, Kotze, Blut und Scheiße, Mösen, Schwänze und Rosetten - ornamentale kindische Bilderbögen.

Große politische Themen geht er an, er malt Fahnen und Völkerscharen. In jüngster Zeit - wie verständlich - kommt immer SCHWARZROTGOLD vor. Noch häufiger aber STARSANDSTRIPES, weiße Sterne auf blauem Grund und rote Streifen auf weißem - gut so!

Ich frage mich immer, ob man über Blalla W. Hallmanns Bildergeschichten lachen oder weinen muss oder wie es zu mischen ist. Sind SS-Männer lustig? Ist der bodenküssende Pope überzeugend? Will Hallmann jemandem die Augen öffnen? Will er heuchlerische Bußfertigkeit von Dollarkriechern und Armenschändern ins Licht rücken, will er die deutsche Nachkriegsverlogenheit, die deutsche Peinlichkeit zeigen? Ein schmollender Romantiker, ein Idealist, der in den Angriff flieht, ein Member der Ästhetischen Gottsucherbande verwandelt seine westdeutsche Nachkriegsbiografie, inklusive US-Erfahrung in obszöne und böse Bilderbögen. Viel Arbeit, viel Fleiß, viel Stoff, buchhalterisch addiert Hallmann Püppchen um Püppchen, fügt er Szene an Szene. Vorne - hinten, unten - oben, ein Puppenspieldirektor bevölkert in klaren Kompositionen seine geschwätzigen bühnen. Hallmann setzt auf das empörte Behagen an der Pornographie, er vertraut der bekannten Wirkung von Sex and Crime, er macht sich verdient um die Anhebung der Ekelschwelle. Blalla macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, er kippt den Kübel aus, er kotzt alles raus, alles auf die Leinwand oder das Krankenhaustoilettenfensterglas!

Wer sich nicht sofort abwendet, wird zum Adressaten von durchaus ernstgemeinten Botschaften über die Schlechtigkeit der Welt und des Menschen. Im »Blalla Comic Theater« klappt alles wie am Schnürchen, ist alles perfekt durchorganisiert und maschinisiert, die Fleischwölfe und die Guillotinen, die Galgenlaufbänder, das Fressen und das Gefressen werden, lässt immer noch Leistung zu und Disziplin, Ordnung und Sauberkeit.

Das Christentum und die Konfessionen, Protestanten und Katholiken, Kruzifixe und KZ-Baracken, mit Engeln kopulierende Teufel und betende Kinder werden eingerührt in den Malstrom Leben. Daß bei diesem allgemeinen Thema die deutsche Schöpferkraft, die deutsche Erfindungsgabe entsprechend gewürdigt wird, ist ein besonderes Verdienst des Künstlers. Keine Versöhnung, keine Woche der Brüderlichkeit, deutliche Bilder wie Lampenschirme aus Haut.

© http://www.no-art.info/hallmann/rezensionen/1992_stratmann.html