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Blalla W. Hallmann | NO!art involvement DE | EN
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BEITRAG ZUM TOD VON BLALLA W. HALLMANN

von Matthias Reichelt

Quelle: http://blallasgutekunst.com/wp-content/uploads/2010/10/Pressemitteilung-zum-Tod-von-Blalla-W-Hallmann-7-Juli-1997001.pdf
Windsbach, den 7. Juli 1997 | Konkret Redaktion per Fax

Lieber Rayk Wieland,

wie angekündigt, sende ich Ihnen einen kurzen Beitrag zum Tod von Blalla W. Hallmann, von dem übrigens einige Bilder noch bis zum 27. September im Erotic Art Museum in Hamburg zu sehen sind. In der Eile vor meiner Abreise zur Beerdigung konnte ich leider nicht mehr das Konkret raussuchen, in dem ein Bild, "Ihr schönster Tag" mit Begleittext abgedruckt war. Ihr müßtet das aber finden können, ich denke, es war 1994.

Blalla W. Hallmann, einer der provokativsten deutschen Künstler ist tot. Der 1941 im schlesischen Quirl geborene Blalla W. Hallmann lebte zuletzt in Windsbach bei Nürnberg. Nach dem Besuch der "Hochschule für bildende Kunst" in Düsseldorf 1957/58 und der "Akademie der bildende Künste" 1960-65 gründete er zusammen mit Rio Reiser und dessen Brüdern das "Hoffmanns Comic Teater", mit dem er in Bayern und später in Westberlin mit AgitProp-Stücken auftrat. Wie kaum ein anderer Bildender Künstier hat er mit seinem Werk die deutsche Kunstszene polarisiert. Hallmanns radikale und kompromißlose Haltung gegenüber Kirche, Staat, Bigotterie und Verlogenheit kam in seinen opulenten farbigen Tableaus, Reliefs, Grafiken und Objekten zum Ausdruck. Häufig zog die Präsentation seines Werkes Schritte öffentlicher Verwaltungen nach sich und führte sogar zu Maßnahmen der Staatsanwattschaft. 1992 mußte seine größte monographische Ausstellung von der "Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst" in Berlin auf Druck der öffentiichen Verwaltung mit einem Schild versehen werden, das Kindern den Zutritt ohne Begleitung von Eltern verbot. 1996 führte eine weitere umfangreiche Ausstellung des "Museums Ostdeutsche Galerie" in Regensburg zur Kündigung des Direktors. Aufgrund seiner brisanten Themen, der prallen Figürlichkeit und der Darstellung identifizierbarer Personen des öffentlichen Lebens in wilden Szenen der Kopulation, hielt ihn der institutionalisierte Kunstbetrieb - völlig korrupt und verlogen - außen vor. So wird er in der für September diesen Jahres geplanten Ausstellung "Deutschlandbilder" des "Museumspädagogischen Dienstes" in Berlin nicht vertreten sein, obwohl keiner für dieses Thema so prädestiniert wäre wie Hallmann.Sein Leben lang hat er sich an diesem unsäglichen Deutschland mit seinen großimperialen Gelüsten abgearbeitet. Während auf alten Sendern gefickt werden darf, werden die gemalten Blow Jobs des Blalla W. Hallmanns plötzlich zur Inkarnation des Obszönen. Blalla W. Hallmanns großes CEvre enthielt aber auch eine von vielen zeitgenössischen Künstlern gerühmte poetische Kraft. Auf großen Leinwänden entfaltete er als eine Art moderner Hieronymus Bosch sein grausames Welttheater. Ein besonderer Schwerpunkt lag in seiner Beschäftigung mit dem deutschen Faschismus und dessen mentalen Auswirkungen, deren Kontinuität Hallmann bis heute sah. Obgleich er in seinen Bildern immer pessimistischere Saiten anschlug und ein wirklicher Misanthrop war, blieb seine visionäre poetische Kraft ungebrochen. In seiner komplexen Weitsicht, die keine Hoffnung kannte, geißelte er Kolonialismus, Rassismus und Imperialismus. Diese Themen wurden dermaßen miteinander verwoben, daß man sie getrost als moderne Version von Dantes Inferno bezeichnen kann. Dennoch, und das ist ebenfalls eine wichtige Seite in Hallmanns Werk, hat er sich einen ganz eigenen Humor bewahrt, der natürlich oft in Sarkasmus und Zynismus mündet, was zur Folge hat, daß einem das Lachen im Hals stecken bieibt. Das einzige was Blalla W. Hallmann gegen die Trostlosigkeit des Daseins anbietet ist eben dieses zumindest mental befreiende Lachen, nicht gerade die schlechteste aller revolutionären Waffen.

Sein persönliches Welttheater hat ein Ende gefunden: Blalla W. Hallmann ist am 2. Juli 1997 an Krebs gestorben.

© http://www.no-art.info/hallmann/nachruf.html