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BRACHIALE BILDERWELTEN

Werke von Frank-Kirk Ehm-Marks und Alexander Boiko im Kunstraum B

Von Sabine Tholund

in: Kieler Nachrichten am 10.06.2004

"Will man der Kunst zu ihrer ursprünglichen Schöpfungskraft verhelfen, sollte man ihr allen Flitter und Lorbeer vom Leibe reißen." Ein Zitat von Jean Dubuffet, Hauptvertreter der Art brut, stimmt ein auf die sehenswerte Ausstellung im Kunstraum B. "Diesmal sind zwei Künstler aus der Off-Szene vertreten", so Galerist Christof Klemmt.

Als "Outsider-Kunst" bezeichnet Frank-Kirk Ehm-Marks seine hastig hingeworfenen, kraftvollen Zeichnungen - zornige Alltagsreflexionen, die an Straßenkunst erinnern. Mit Wachsstift, Kugelschreiber und Bleistift malt und zeichnet sich der 43-JÄhrige den Frust von der Seele. Glotzäugige Kopffüßler und gehörnte Teufelswesen bevölkern die Bildwelt des Berliners, der frühe Lebenserfahrungen aus der Stricher- und Drogenszene am Bahnhof Zoo und anderswo nicht nur in seinen aufwühlenden Grafiken, sondern auch in Gedichten und Prosatexten verarbeitet.

Auszüge aus seinem Buch EINTÖNIGES Leben in schmucklosem Raum geben Einblicke in ein Dasein aus ungewollter Froschperspektive und erweisen sich als bereichernde Ergänzung zu den Exponaten, die während der letzten 20 Jahre entstanden sind. "Ich bin eigentlich nicht sonderlich aggressiv," sagt Ehm-Marks beinahe schüchtern. "Meine Bilder sind Reaktionen auf die Dinge, die von außen an mich herantreten." Die in ihrer Kürzelshaftigkeit nicht selten archaisch anmutenden Motive kommen, wie er meint, aus seinem Unterbewusstsein. Gefühle und Stimmungen setzt er spontan in packende, absurde, verrückte seelische Momentaufnahmen um, die einem inneren Amoklauf gleichkommen. Unglaublich viel zu gucken gibt es auch bei Alexander Boiko. Zwei räume hat der gebürtige Russe buchstäblich mit seinen Bildern und Zeichnungen tapeziert. Ein visionäres Höllenspektakel zeigt die Installation im ersten Raum. Menschliche Leiber, große und kleine, verwachsene und schöne, winden sich umeinander in einer endlos ausufernden Bildergeschichte, die der 47-JÄhrige Wahl-Leipziger beim Zeichnen ständig weiterentwickelt. Bemerkenswert ist dabei der Kontrast von Inhalt und kunstvoller Zeichentechnik, die mit dünnem Filzstift in feinsten Schraffuren zarte Pastelltöne zum Leuchten bringt.

Wie eine Kapelle flächendeckend mit stark farbigen Ölbildern ausgestattet ist der zweite Raum. Die beinahe altmeisterlich ausgeführte Malerei verrät den diplomierten Künstler. Die Motive scheinen jedoch auch hier von Apokalypse zu künden. Atemberaubend ist ihre Vielfalt, fantasievoll und manchmal verstörend. "Es ist wie ein Mosaik", sagt Boiko, "es ist meine Schule, meine Erfahrung, mein Leben." Unbedingt ansehen!

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