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Frank-Kirk Ehm-Marks <<< | >>>
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PERSPEKTIVE DES ASPALTS

Die Bilder der verkorksten Wirklichkeit und unveröffentlichte Schriften
von Frank-Kirk Ehm-Marks im Karin Kramer Verlag

Von Matthias Reichelt

publiziert in: junge welt, Juni 2004

Immer wieder bin ich versucht, seinen Namen in US-amerikanischer Diktion zu sprechen: FräÄÄänk KÖÖÖÖrrrrk, obwohl es dazu keinen Anlass gibt, außer vielleicht eine thematische und vielleicht auch formale Nähe seiner schriftstellerischen Arbeiten zu Charles Bukowski und William S. Burroughs. Auf jeden Fall schreibt Frank-Kirk Ehm-Marks seit vielen Jahren Gedichte, Geschichten und ist vor allem als Maler und Zeichner einem breiteren Publikum bekannt geworden. Beim Karin Kramer Verlag ist nun eine kleine Anthologie mit Lyrik, kleiner Prosa und Schwarzweißreproduktionen seiner mythischen Art-brut-Gemälde erschienen. Die Texte waren bislang unveröffentlicht und entstanden zwischen 1993 und 2000. Immer wieder schöpft der Autor aus seiner Zeit, als er Gesellschaft und die Deals zwischen Menschen aus der Perspektive des Asphalts, aus den Niederungen der Gesellschaft wahrgenommen hat. Als Stricher und Junkie hat sich Ehm-Marks aus dem Elend einer verkorksten Kindheit und der Perspektivlosigkeit mental und sozial weggebeamt und völlig außerhalb der "guten" und so "normalen" Gesellschaft gestellt. Seine Fähigkeit, seine Träume und Wahnvorstellungen, die mitunter sehr gut mit Bildern der verkorksten Wirklichkeit harmonieren, in expressiver Manier zu Papier zu bringen und seine Malerei haben Frank-Kirk Ehm-Marks das überleben ermöglicht. Heute führt er befreit vom Heroin ein Leben als Künstler mit Ausstellungen und Lesungen. Als Autodidakt hat Ehm-Marks keine akademische Anstalt von innen gesehen und kann dadurch sehr unverbildet-gebildet von seinem Potential Ge-| brauch machen. Da Optimismus nur ein Mangel an Information ist, wird man diesen bei Ehm-Marks auch nicht finden. Denn was Ehm-Marks an Geschichte und Literatur suchtartig aufgesogen hat, schlägt sich in verschiedenen Formen in seiner Prosa und Lyrik nieder. Seine Texte sind düster und spiegeln die gesellschaftlichen Verhältnisse in surrealer Manier. In fieberwahnartigen Träumen tritt der Altnazi Klaus Barbie, der in Lateinamerika als Klaus Altmann Unterschlupf gefunden hatte, wieder auf und wird plötzlich zu "Onkel Klaus". Zum Dreck des Alltags und der Straße kommt die Scheiße der Weltgeschichte durch den Gully hochgespült und vermischt sich mit dem dringenden Wunsch nach Liebe, Sex und Geborgenheit. Alles zusammen und alles durcheinander, das macht die collagenhafte Gleichzeitigkeit der Texte aus. Zärtlichen Tönen folgt die brutal offene Aggression und der unbeherrschbare Drang nach dem nächsten Schuss.

Frank-Kirk Ehm-Marks hat bereits in den achtziger Jahren seine Texte im Selbstverlag herausgegeben, und 1998 erschien im legendären Maro-Verlag ein Prosa-, Lyrik- und Grafikband unter dem Titel "Das Glück auf der Hollywood-Schaukel".

Wer ihn persönlich kennenlernen und seine beachtliche Sammlung an Art brut und naiver Kunst besichtigen möchte, die er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Susanne Lattek aufgebaut hat, kann unter der Telefonnummer 030/6 14 56 28 einen Termin vereinbaren.

Frank-Kirk Ehm-Marks: EINTÖNIGES Leben in schmucklosem Raum. Texte und Zeichnungen, herausgegeben von Erik Steffen, Karin Kramer Verlag, Berlin 2004, 96 Seiten, 10 Euro
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