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N O ! a r t  ist
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PARTNERSCHEISSE (1969)

Publiziert in: Lurie, Boris; Krim, Seymour: NO!art, Köln 1988

Maden wohnen in deinen Schamlippen, Amerika. Der kahlköpfige Boris pisste in die Ecke, während Sam ihm den Arsch leckte. Beim Pissen ließ Boris seine Hosen immer bis zu den Knöcheln fallen, weil er damals keine Unterhosen trug. Deshalb konnte Sam Goodman auch so leicht an dieses Arschloch rankommen. Sehr einsichtig, denn diese beiden Kreaturen des westlichen Kunstsyndroms hatten sich dazu die March Galerie ausgedacht, eine Galerie der Missgeburten. Beide trugen riesige Präservative über ihren Köpfen. Sie dachten, so würden sie sich nicht mit der Syphilis anstecken. Aber sie selbst und die anderen Arschkriecher, die zusammen mit ihnen aus-stellten, waren die infizierte Dekadenz in Person, an der die ganze Welt noch verfaulen wird.

Der Versuch, die Welt von Christus-Mördern zu befreien, ist schon unternommen worden, schlug aber fehl, weil sie zu viele Freunde hatten. Obwohl wir die meisten von ihnen erwischt haben, sind wir doch wieder so weit wie ehedem, denn die vermehren sich alle wie die Kaninchen. Die Guten Deutschen hatten es mit Boris versucht, als sie den kleinen Judenwurm an einen Pfosten mitten im Konzentrationslager banden. Der hat aber blöd geguckt, als sie im sein rechtes Ohr abgerissen haben und die Hühnerknochen aus seinem Kopf in den Dreck flogen und Dr. Tod ihn aufforderte, seine kleinen Ohrenknochen wieder aufzusammeln. Boris ist ein gebürtiger Juden-wurm aus jener Sekte, die nur an einen Gott glaubt statt an drei. möge Jesus wiederkommen und die Gaskammern wieder einführen. Dieser beschissene Saujude war so ein Masochist: Als die verdreckten Amerikaner einmarschierten - möge ihre Flagge für alle Zeiten verkehrt `rum wehen – half Boris den KZ-Aufsehern, Dr. Tod und dem Chef der koscheren Schlächterei zur Flucht, indem er sie in seinem Koffer versteckte. Als Boris mit seinem Vater in die USA kam - man hätte sie alle lebendig kochen sollen – schmuggelte er seine deutsche Gruppe in seinem Koffer über die Grenze. Er futterte sie durchs Schlüsselloch und erzählte ihnen Geschichten, die immer mit „Es war einmal ..." anfingen. Jahre später ließ er sie dann heraus. Obwohl sie noch sehr mager waren, konnten sie schon gut als Diener bei ihm arbeiten. Wenn Boris ab und zu „Heil-Hitlerte", blieben sie bei Fuß. Bei seiner ersten Ausstellung hier steckte Boris sie in die Rezeption. Die Ausstellung hieß Adieu Amerique in der D'Aennle Galerie. Aber sie streikten, weil sie nicht genug Juden zu fressen bekamen. Zuerst verfutterte Boris alles an sie, was in sein Atelier kam, aber sie bestanden auf Juden. So haben sich Boris und Sam getroffen.

Boris war in der Sedar Bar, dem Stammplatz aller, die mit der Kunst was aufreißen wollten; und als Sam hereinkam, sangen sie dieses Lied:

                                         Sam, Sam dar Abfallmann,
                                         was ist denn an der Mülltonne dran?
                                         Bist wohl der Herr von diesem miesen Bunker,
                                         und hast dabei doch `ne Menge Zunder,
                                         daß Du noch Kunst machst aus all dem Plunder.

Dann pflegten alle über Sam zu lachen und Sam traten dann die Tränen in die Augen, denn es war so selten, dass ihm jemand soviel Liebe erwies und ihm ein Lied sang. Und Boris dachte ins-geheim, dass Sam ein leckeres Abendessen für seine Nazis wäre, die zu Hause im Koffer warteten.

Boris wusste aber nicht, dass Sam nur einen Deppen suchte, der die ganze Drecksarbeit machen sollte, die sein muss, wenn man mit der Kunst was aufreißen will: nämlich Beziehungen zu Kritikern finden, Anzeigen entwerfen, Briefmarken lecken und ähnliches Zeug. Als Sam am nächsten Tag auf der Straße ging, traf er Boris, der gerade in seiner Nase bohrte, lange graue Popel he-rauszog und seine Finger mit glitschiger Zunge ableckte. Sam trat auf Boris zu und sagte: „Wenn Du 'nen Partner zum Kunst-Aufreißen suchst, find’ste den bestimmt nicht in Deiner Nase. Wenn ich Dein Kunst-Aufreißer bin, schwör' ich Dir, schmeckt das besser als Dein Rotz!" Boris leckte Sams linkes Ohr aus und sagte, dass es nicht viel besser als Rotz schmecke, aber Sam bestand darauf, und so haben sie sich wirklich getroffen und genau an dieser Stelle in Sams Ohr ist die Idee der Vulgar-Show entstanden. All die anderen Ausstellungen waren mit verschiedenen anderen Körperteilen, wie die Idee zur Doom-Show, die bestand aus süßlichen Rinnsalen von Boris' Hoden, und eine andere Idee wiederum kam von dem Käse in Sams Bauchnabel. So entschwanden beide bei Sonnenuntergang, jeder den Daumen des anderen lutschend, einander den rücken klopfend, vergnügt in die Zukunft.

Eines nachts, als Boris schlief, haben die Deutschen - es waren nur noch 14 KZ-Aufseher und der Todesdoktor Übrig, denn der Kommandant und zwölf andere Aufseher, die auch in dem Koffer waren, waren verhungert, weil Boris jetzt für Sam arbeitete und seinen Sklaven im Koffer deshalb nicht mehr viel Aufmerksamkeit schenkte - eines Nachts also haben die Übrigen KZ-Aufseher und Dr. Tod das Schloss des Koffers von innen geknackt, sind herausgeklettert, während Boris schlief, und haben auf all seine Bilder Hakenkreuze gemalt. Dann klebte Dr. Tod die Pin-up Photos, die Boris zum Abspritzen gebrauchte, auf die Bilder und die Hakenkreuze haben sie neu gemalt. Als Boris aufwachte, war keine Zeit mehr da, um alles in Ordnung zu bringen. Deshalb stellte Boris das aus, was sie angerichtet hatten, und zwar in einer Einzelausstellung in der March Galerie im April 1960. Die Ausstellung nannte er Les Lions, was für ein künstlich-genüßlicher Ausdruck für eine Ausstellung! Obwohl diese Ausstellung eine große Pleite war, machten Boris und Sam noch im selben Jahr eine Sammelausstellung, die Vulgar-Show, mit Arbeiten von dem widerlichen Stanley Fisher, dem noch widerlicheren John Fisher, der auf und ab sprang und mit einer Hand riesige Brocken behaarten Fleisches aus seinen Achselhöhlen riss, während er mit der anderen Hand an seinem Schwanz zerrte. Stanley Fisher, sein Zwillingsbruder, schaute ihm dabei neidvoll zu. Stanley hatte eine Möse zwischen seinen Beinen, an der ein Plastikschwanz befestigt war. Stanley fickte immerzu zwölfjährige Mädchen, zumindestens in seiner Phantasie. Einer der KZ-Aufseher klebte ein Hakenkreuz auf Stanleys Stirn, was einige Monate später viel Arger zwischen Stanley und Boris verursachte. Sam suchte jetzt in Johns Arschloch nach einer Idee. Diese vier Tunten, was waren sie denn sonst, schwirrten da herum und steckten Bandwürmer in den Hals eines jeden Besuchers, der die Zementtreppen in jenen Keller mit Namen March Galerie hinunterstolperte. March Galerie, das war der Name einer Nutte, die die Galerie als Arbeitsraum benutzte, wenn das Kunstpublik um gegangen war. Das Mädchen hieß Nancy March. Statt Miete zu zahlen, machte sie zweimal wöchentlich für Boris und Sam die Gabel, wovon beide diese kleinen weißen Käferchen in ihren Schamhaaren bekamen. Die beiden pflegten am Abend beisammen zu sitzen, Filzläuse zu klauben und zu besprechen, was sie demnächst tun würden. Die Ausstellung lief bis November 1961; und jeden Monat vollzog der Doktor die Hinrichtung eines Ausstellungsbesuchers, indem er eine Nadel durch dessen Bauchnabel stieß, was, wie man weiß, die Hosen besser oben hält. Dann, im November 1961, machte der fette Sam, der widerliche Stanley und der Buchhalter und Stenotypist Boris die Doom-Show, die genau das war, wie sie sich nannte. Viele hungrige Künstler stellten mit ihnen aus, was zu erwarten war, weil die meisten Künstler glaubten, sie seien etwas ganz besonderes, wohingegen jeder Idiot weiß, dass Kunst immer kommerziell ist, weil Leute damit handeln, die dabei an Gewinn denken. Boris und Sam zum Beispiel wollten berühmt werden, damit sie ihren Mist verkaufen und damit reich werden konnten. Aber sie haben alle vor den Kopf gestoßen mit ihrem unverkäuflichen Abfall. Wer es mit Schwerarbeit nicht schafft, kann sich nur noch einen Trick einfallen lassen, was Sam und Boris auch taten. Sie glaubten, es zu schaffen, indem sie alles mögliche in unsere Nasen, Ohren und Pisslöcher steckten. Es gelang ihnen schließlich, als sie Scheiße aus ihren Arschlöchern popelten.

Die March Galerie gab es nur zwei Jahre lang, nämlich 1960 und 1961, Schwanz-Feste und geschwollene Eier. Sam und Boris haben uns die Revolution beschert und die Welt zu dem gemacht, was sie heute ist: Heute sitzt auf den zerfallenen Stufen der einstigen March Galerie ein alter Nigger und stößt mit seinen spitzen Schuhen einen Klumpen Hundescheiße hin und her. Ein Juden-Hippie kommt auf ihn zu. Der Hosenstall von dem Juden ist offen, wie immer, aber heute hängt noch ein kleiner Schwanz 'raus. Er haut dem Nigger auf die Nase. Der Nigger sieht auf und als er den Judenschwanz sieht, fallen ihm die Augen 'raus. Der Jude klaubt das eine Niggerauge aus der weichen Hundescheiße und zerquetscht es über seinem Judenschwanz. Das andere Niggerauge rollt die Straße hinunter, dorthin, wo so eine sture irische Polizistensau steht. Diese irische sture Polizistensau – die Futt seiner Mutter soll er fressen bis sie blutet - hört, wie das Niggerauge auf ihn zurollt - klick, klick, klick, klick - und stoppt es mit einer sanften Berührung seines Schlagstockes. Der Bulle hebt den Niggeraugapfel auf und steckt ihn in seine Hosentasche, wo er mit seinen kleinen rosa Hoden herumklingelt. Nach seinem dienstlichen Rundgang bringt der Bulle den Augapfel heim zu seinem spanischen Hurenweib, die mit einem italienisch-chinesischen Kaufmann auf wurmigen Bananen fickt, sobald ihr Mann aufs Revier geht. Sie fickt nebenbei, damit sie Geld sparen, um aus der Stadt wegziehen zu können, weil es ihnen hier zu schmutzig ist. Der Bulle gibt seiner Frau das Niggerauge und sie wirft es in den irischen Eintopf. Als sie den Eintopf essen, schwimmt das Niggerauge oben auf der Suppe herum und schaut sie an. Beide lachen und schlürfen Niggeraugensuppe. Unterdessen liebt die lesbische Frau des Bürgermeisters die des Präsidenten, damit der Bürgermeister die Raten bei den Kreditgeiern abzahlen kann. währenddessen bescheißen wir uns untereinander und die grauen Protestanten, Amerikaner, zeigen und glotzen auf Filme klebte das Hakenkreuz an seiner Stirne, da fing er auch schon an mit den Klebereien, die eine auffallende ähnlichkeit zu dem zeigten, was die Nazis für Boris machten. Tatsächlich desertierten drei der besten Nazis und zogen bei Stanley ein. Sie machten Kunst für ihn, und zwar die besten Boris Lurie Bilder, die ich je gesehen habe. Schon deshalb mussten es die besten Nazis gewesen sein. Das war dann so, daß die Leute schon meinten, Boris kopiere den Stanley und Stanley wäre der Erfinder. Boris lief deswegen sieben Jahre lang weinend durch die Straßen. Aber er kriegte ihn noch. Er mietete Fackel-Micky, na ja, wofür schon. Jetzt hat Stanley keine Bilder mehr und die drei Nazis waren bis auf die Knochen verbrannt. Boris hat nun in seinem Atelier eine Sprinkleranlage installiert, um sich vor Stanleys Rache zu schützen. Denn eines Tages wird er kommen. Deshalb malt er nur noch auf Plastik, damit der Wasserschaden nicht so groß wird. Die Plastikbilder kommen mir bekannt vor, ich komme einfach nicht auf den Namen des Künstlers, den er kopiert.

Einige große Macker schauten sich die Shit-Show an. Die Besucher dachten meistens, die Scheißhaufen und Scheißpfützen wären aus Plastik, aber das stimmte nicht. Die hatten eine Technik entwickelt, die es ermöglichte, echte Scheiße zu nehmen. Sie sprühten Chemikalien über das Zeug und es fror bei Zimmertemperatur ein. Das Problem war nur, dass die Scheiße bei 40° Celsius zu schmelzen begann und in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrte, nämlich Haufen stinkender Scheiße. Die gefrorene Scheiße behielt ihre ursprüngliche Farbe, hatte aber eine harte Oberfläche und rieb sich in der Hand nicht ab. Die großen Macker glotzten da vielleicht. Tausende von anderen Parasiten auch. Das Wasser lief ihnen im Mund zusammen. Es juckte ihnen der Arsch. Ihr Herz klopfte schnell. Sam und Boris hatten ein ganzes Jahr die Scheiße für die Ausstellung gesammelt. Jede Nacht zogen sie mit Schaufel und Besen durch die Straßen. Diese Macker drehten also durch, als sie die Scheiße sahen. Sie wollten die Scheiße kaufen. Aber Boris sagte NEIN. Er wollte es zwar immer noch schaffen, doch war er so besessen von dem Wort NEIN, daß er gar nichts anderes mehr sagen konnte. Als sie Sam fragten, ob sie von den Arbeiten etwas kaufen könnten, antwortete er nur mit dem Wort SCHEISSE. Dann brachen Sam und Boris von dem Zeug kleine Stückchen ab, erhitzten sie über einer Kerze und verrieben die Scheiße in den Gesichtern der Macker. Sam rieb in dem einen Gesicht, Boris in dem anderen. Die Macker verzogen sich dann eine Kotzspur hinter sich lassend. Einen Monat nach der Ausstellung kam Sam bei Boris vor-bei und sagte, daß er glaubt, daß sie einen Fehler gemacht hätten, indem sie das Angebot abgelehnt hätten, reich und berühmt zu werden. Aber Boris war in Trauer, weil sein Vater gerade gestorben war. Wenn ein Jude trauert, dann trauert er. Boris trauerte um seinen Vater fünf lange Jahre. Und die Juden trauern auf solch eine Art und Weise, indem sie zu Beginn eines jeden Trauertages ihren Kopf zwanzigmal gegen eine Wand schlagen. Sam kam gerade vorbei, als Boris halb irre in einer Blutlache lag. Sam ging in sein Atelier zurück und begriff, dass die große Chance, reich und berühmt zu werden, verpasst war. Da war nicht mehr dran zu rütteln. Sam nahm eines von Boris' Pin-up Bildern und knutschte den ganzen Tag mit seinem Sack herum. Fünf Tage später ging Sam zu Dr. Tod, weil er nicht mehr scheißen konnte. Dr. Tod antwortete ihm, wenn er nicht mehr scheißen würde, bekäme er Krebs. Aber der arme Sam hatte keinen Mut mehr zum Scheißen, und so wuchs in ihm ein riesiger Krebs. Er fing an zu sterben, allein ohne Boris, der immer noch mit dem Kopf gegen die Wand rannte.

Ein Feind von Boris behauptet, Sam sei gestorben, weil er Krach mit Boris hatte. In der Wut hätte er ihm, Sam, den linken Daumen abgehackt und dabei seelenruhig eine Stulle mit Schweizer Käse gegessen. während Sam verblutete und flehte, hätte Boris nicht einmal gelacht oder gesabbert. Er hätte nur mit nassem Klopapier die Brotkrumen vom Tisch gefegt. Aber Sam ist nicht so gestorben. Einige Wochen vorher hatte man Sam erklärt, dass er bald an Krebs sterben würde. Ich besuchte Sam am 29. April 1967 im Krankenhaus. In Wirklichkeit starb er fett wie eine Sau und fies wie ein Hund. Seine Eingeweide waren aufgedunsen und schuppig, Blut lief aus seinem Ohr, seine Zunge war grün und so geschwollen, dass er sie nicht mehr in seinen Mund ziehen konnte. So hing sie da wie ein grüner Ballon vor seiner Klappe und seinen weißen wabbeligen Backen. Er starb nicht an Krebs, der überall in seinen Innereien aufgebrochen war. Sam Goodman starb aus Blödheit, denn wenn er Mösen gegessen hätte, wäre er nie gestorben, denn Mösen heilen alles, was einem weh tut. Es sei denn, man ist eine Frau, dann hilft nur ein steifer Schwanz.

Auch wenn man nicht an ein Leben nach dem Tode glaubt, so ist doch trotzdem folgendes geschehen: Am Mittwoch den 1. April 1969 ging ich auf so 'ne Party. Meine Frau hatte gerade was von dem gelesen, was ich über Sam geschrieben hatte. Sie meinte, ich solle es vernichten, weil es zu gefährlich sei, einen Toten zu beleidigen und lächerlich zu machen. Vor ein paar Jahren hatte ich über den Tod eines Menschen mal gelacht. Am nächsten Tag wurde ich schwer krank und kam ins Krankenhaus. Drei Monate lag ich dort. Beinahe wäre ich selbst gestorben. Jedenfalls auf der Party passierte es: Ich saß auf dem Fußboden, als mir plötzlich ein Teil einer Skulptur auf den Kopf fiel. Die Leute, die das gesehen hatten, meinten, ich könne froh sein, dass ich noch lebe, denn das Stück hätte mir glatt den Schädel spalten können. während ich das schreibe, tut mir der Kopf immer noch weh davon. Der Grund, warum ich das erwähne, ist der, dass ich Sam bitten möchte, mir zu verzeihen, weil ich ihn lächerlich gemacht und beleidigt habe. Jetzt tut es mir wirklich leid, daß ich mich auf diese ganze Schreiberei überhaupt eingelassen habe. Es tut mir leid. Mein Egoismus hatte mich überwältigt. Es fehlte mir an dem notwendigen Anstand und Respekt vor den Toten und den Lebendigen. Sam, bitte verzeih mir. Lieber Sam, ich will Dir erklären, warum ich das ganze Zeug nicht einfach vernichte. Einfach deswegen, weil ich zuviel Zeit dafür gebraucht habe. So verzeih mir also und bitte denke daran, dass es mir zutiefst leid tut, dich lächerlich gemacht zu haben. Aber ich weiß, ein bisschen Propaganda ist dir schon recht. Ich glaube, ein anderer Arschkriecher arbeitet in mir für dich, auch wenn diese Schreiberei sehr geschmacklos ist und mir keinerlei Ehren einbringt. Also bitte verzeih' mir. Schmeiß mir das nächste Mal nichts mehr an den Kopf, sonst bringst Du mich noch um. Ich bin wirklich Deiner mühe nicht wert. Boris soll auch auf seinen Kopf aufpassen, denn eine Menge Zeug kommt direkt von ihm. Deshalb soll er aufpassen. Demnächst könnte Sam mit Boris Verbindung aufnehmen und dann kriegt Boris ordentlich eins auf die Rübe. - Also Sam, bitte verzeih mir und du, Boris, nimm Dich in acht vor Sam.

Boris hat in letzter Zeit sehr geheimnisvoll mit seiner Arbeit getan, will sie niemandem zeigen. Wo ich doch unbedingt etwas von seinen Arbeiten sehen wollte, damit ich sie kopieren kann, ausstellen kann, damit ich berühmt werden kann. Boris ist ja immer noch nicht der große Mann, der er vorgibt zu sein. Nicht dass er es mit vielen Worten sagen würde, nein, er hat diesen Anspruch ein-fach an sich so wie eine Frau, die ihr Parfüm trägt. Der Grund, warum ich vorhatte, seine Ideen zu klauen, war: Ich wollte nur sehen, welches Gesicht er dabei machen würde. Ich schwöre es. Ich wollte nur sehen, wie er sich verhalten, was für ein Gesicht er machen würde. Mein Gesicht bliebe dabei starr wie eine Totenmaske. Ich hätte mir besonders die Muskelbewegungen an seinen Au-gen und an seinen Judenlippen angesehen und beobachtet. Man sollte meinen, dass es nicht der mühe wert sei, aus solch einem lausigen Grund Ideen klauen zu wollen. Aber Boris und Sam haben aus keinem anderen Grund heraus ihre Arbeiten gemacht. - Deshalb besuchte ich Boris. Bei der Gelegenheit fing er an, mir von seiner Vergangenheit zu erzählen. Er wusste nicht, dass ich ein Tonbandgerät in meiner Tasche versteckt hatte mit einem sehr empfindlichen Mikrofon dran. Ich hatte mir das extra dafür gekauft. während er redete, brauchte ich nur u-ha, u-ha, u-ha zu sagen. Aber das nur nebenbei. Seine Vergangenheit interessierte mich wirklich überhaupt nicht. Mein einziger Gedanke war, wie komme ich nur an seine neuesten Ideen ran. Wollte dabei seinen Gesichtsausdruck sehen. Wollte wie Rembrandt sein, der auch in den Gesichtern der Menschen einen Ausdruck schuf. An diesem Abend haben wir zusammen Alkohol getrunken und geredet. Ich machte mich lustig über Boris und veräppelte ihn: Ich sagte, er sei nichts ohne Sam, Sam sei das echte Genie; er sei bloß ein Handlanger für Sam gewesen und das sei alles, wozu er tauge. Endlich hatte ich ihn rumgekriegt. Mit stark russischem Akzent sagte er: „O.K., O.K., sieh es Dir an!" Boris war immer ein russischer Jude gewesen und wird auch immer einer bleiben mit seiner schlauen Art, aber trotzdem dumm. Also Boris stand auf und sagte: „Sieh es Dir an. Ich werd Dir zeigen, was ich den letzten fünf Jahren gemacht habe, während alle glaubten, ich würde um meinen Vater trauern. möge er in Frieden ruhen!" Hinten in seinem Atelier lag ein Haufen Abfall. Alles Zeug, das Sam gesammelt hatte und das wegzuwerfen Boris nicht übers Herz brachte. Ich half ihm das alles zur Seite zu räumen. Hinter dem Abfallhaufen befand sich eine Tür. Er Öffnete die Tür. Eine Kellertreppe war zu sehen. Er knipste das Licht an und führte mich hinab in den Keller. Offen-sichtlich mochte Boris Keller gerne: Auch die March Galerie lag in einem Keller, ebenso die Gertrude Stein Galerie. Am Ende der Kellertreppe angekommen war ein gigantischer Raum zu sehen mit den erstaunlichsten Dingen drin, die ich jemals gesehen hatte. Dann sagte Boris zu mir: „Na, wie findest Du das?" Aber ich konnte ihm einfach nicht antworten, denn dieser Raum, der mich umgab, riss mir fast das Gehirn auseinander. Boris lachte und tanzte um mich herum, zeigte mit dem Finger auf mich. Ich schwitzte, überlegte, was ich sagen sollte. Da sagte Boris zu mir: „Ich werde Dich in meinem Keller alleine lassen, bis Du mir sagst, was Du denkst!" Dann drehte er sich um, stieg die Treppe hinauf und ließ mich mit all seinen Ideen da unten zurück. Das Licht blieb brennen und die Tür stand offen. Es ist mir aber bist jetzt noch nicht gelungen, da rauszukommen. Boris schickt mir jeden Tag seinen letzten Nazi mit einem Tablett voller Essen runter. Der Nazi kneift mir jedes Mal dabei in die Backe und sagt: „Du bist ein köstlicher Jude. Wenn Du fett genug bist, werde ich Dich fressen!" — Ende.

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