NO!art homepage ENGLISH    DEUTSCH     SUCHEN 

 FEEDBACK  2010

 2010
 2009
 2008
 2007
 2006
 2005
 2004
 2003
 2002
 2001
 2000
 1999
CARL MAI:  Kunstwerke in den Müll  |  Berlin  |  3. Februar 2010

Gefunden in der Süddeutschen Zeitung für die NO!art-Bewegung

Hirst auf dem Müll | London: Michael Landy verschrottet Kunstwerke | von Alexander Menden

Ein eklektischer Haufen Kunstschrott sammelt sich da am Boden des riesigen, stahlverstärkten Plexiglas-Behälters: Hier eine Art überdimensionaler Wolfskopf aus Samt, der wie die Requisite einer Schulaufführung von „Rotkäppchen" aussieht. Dort ein atemberaubend schlechtes Spiegelei-Stillleben in Acryl. Dahinter ein mit Goldfarbe besprühter Gymnastikball neben einem Damien-Hirst-Schädelbild. Gerade erklettert ein junger Mann eine Empore an der Stirnwand des Saales. Oben hält er kurz inne, dann lässt er den roten Keramik-Kopf, den er in den weiß behandschuhten Händen hält, polternd in den Container fallen.

Der Kopf und all die anderen Kunstwerke gehören zum Bodensatz eines Projektes, das derzeit in der South London Gallery in Peckham seinen Lauf nimmt. „Art Bin" nennt sich die Installation von Michael Landy, und wenn alles nach Plan läuft, dann werden Mitte März die gesamten 600 Kubikmeter des Mülleimers gefüllt sein mit misslungener, ungewollter, verstoßener Kunst. Bis dahin können Künstler Produkte ihres Schaffens, die nicht ihren eigenen Ansprüchen entsprechen, dem Mülleimer überantworten. Danach werden sie zerhäckselt und kommen auf die Müllkippe. Der Behälter selbst wird in seine Einzelteile zerlegt und als Metall- und Plexiglasschrott verkauft werden. Ein gigantisches, aber vergängliches „Monument kreativen Scheiterns", wie Landy selbst es nennt.

Michael Landy, Jahrgang 1963, gehört nominell zur Generation der „ Young British Artists", steht aber vor allem in der Tradition Jean Tinguelys. Immer wieder hat er sich mit Zerstörung als kreativem Prozess befasst. Mitte der neunziger Jahre ließ er für „Scrapheap Services", eine fiktive Reinigungsfirma, die Chisenhale Gallery von einem Haufen Scherenschnitt-Figuren säubern; 2001 vernichtete er in der spektakulären Aktion „Break Down" seinen gesamten irdischen Besitz.

Auf den ersten Blick erscheint „Art Bin" wie eine Kapitulation vor denen, die zeitgenössische Kunst allgemein für Müll halten. Aber so einfach ist es natürlich nicht. Denn die Künstler selbst entscheiden hier, was Landy zur Entsorgung übergeben wird. „Art Bin" ist also eine Einladung an die Kunst zu einer strengeren Selbstprüfung und kommentiert zugleich ebenso unaffektiert wie augenfällig den Diskurs über Wert und Unwert zeitgenössischer Kunst. Das so entstehende Werk ist ästhetisch der Selbst-Verschrottungs-Installation „Heavy Burschi" von Martin Kippenberger nicht unähnlich, aber noch formenreicher. „Wir nehmen auch nicht alles an", sagt Landy, der in der South London Gallery die Befüllung des Containers beobachtet.

Geschmack spiele bei der Entscheidung keine Rolle, „eher Launen". Fotografien nehme er zum Beispiel nur, wenn sie gerahmt seinen: „Dann kracht es schöner, wenn sie aufschlagen." Die Auswahl derjenigen Kollegen Landys, deren Werke bereits im Container gelandet sind, ist durchaus aufschlussreich: So kann man sich einerseits Tracey Emin, die unter anderem eine selbstgemalte schottische Flagge einreichte, oder Gary Hume mit seiner Pappbecher-Skulptur ohne Zögern anschließen. Andererseits ist nicht ganz ersichtlich, was an Julian Opies gesichtslosem Männchen im Trenchcoat, das hier verschrottet wird, so viel schlechter sein soll als an seinen übrigen Bildern. Und um das Schädelbild, das Damien Hirst anscheinend ohne großen Trennungsschmerz dem Müll übergab, tut es Michael Landy selbst ein bisschen leid: „Ich fand es ziemlich schön", sagt er. Aber es komme ja auf die Einschätzung des jeweiligen Künstlers an, nicht auf seine.

Wenn Landy ein Problem bei „Art Bin" sieht, dann ist es kein konzeptuelles, sondern ein logistisches: „Wenn wir dieses Ding wirklich bis zum Rand vollkriegen", sagt er, „habe ich keine Ahnung, wie wir das alles wieder aus der Galerie herausbekommen sollen."

„Art Bin" in der South London Gallery, London, bis 15. März.
  http://www.southlondongallery.org/docs/exh/exhibition.jsp?id=164&view=future
  https://www.art-bin.co.uk/submission

zum Seitenanfang

MARC GUISNEUF:  Boris Lurie  |  Paris  |  3. Februar 2010

Hallo,
ich schreibe ihnen aus der provinz, paris in frankreich. ich kenne das werk von boris lurie seit schon mehrere jahre, und war immer sehr an ihm interessiert. ich hatte auch vor einige jahren ein dokumentar-film über ihn auf arte mir angeschaut. leider habe ich nie herausfinden können wass es eigentlich fûr kataloge über seiner arbeit gibt. ich habe das No!art heft von ed. hundermark, 1988, "pin-ups, excrement, protest, jew-art", weiter nichts. würden sie mir bitte sagen ob es eine publikation auf deutsch oder english - oder irgend eine andere sprache, inklusiv chinesisch - gäbe, die an seine collage und malerei der 60er jahre (besonders die "no!" serie) gewidmet ist. ich bin haupsächlich an visuelles material interessiert, da ich weiss dass lurie auch schriftliche sachen gemacht hat, gedichte usw. auf internet habe ein titel gesehen, "no!art in nüremberg", weiss aber nicht ob es da abbildungen gibt oder nur texte.
vielen dank im voraus für ihre hilfe,
mfg,
marc guisneuf
75017 paris

zum Seitenanfang

OFFICE HAUS AM LÜZOWPLATZ:  Rückzahlung  |  Berlin  |  4. Januar 2010

Sehr geehrter Herr Kirves,
leider mussten wir den Chip aus ihrem digitalen Bilderrahmen entfernen und können diesen Ihnen erst zukommen lassen, wenn Sie die Kosten für den digitalen Bilderrahmen in Höhe von €340 bezahlt oder uns die Rechnung für den Bildschirm zugesandt haben. Leider bleibt uns keine andere Möglichkeit als die Angelegenheit so zu handhaben.
Wir wünschen Ihnen dennoch einen guten Start in das Jahr 2010 und
verbleiben mit freundlichen Grüßen.
i.A. A. B.
Haus am Lützowplatz
Fördererkreis Kulturzentrum Berlin e.V.

zum Seitenanfang

IMPRESSUM URL:  wwww.no-art.info/_feedback/2010-de